Das Mord-auf-Ex-Spiel verbindet True Crime, Hörspiel und Deduktion zu einer ungewöhnlich dichten Mischung, die mehr nach gemeinsamer Ermittlung als nach klassischem Brettspiel aussieht. Im Zentrum steht ein realer Kriminalfall aus dem Jahr 1840, den man nicht mit Würfelglück, sondern mit Zuhören, Sortieren und Kombinieren löst. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Wer dieses Spiel versteht, weiß schnell, ob es zum eigenen Spielabend passt oder nicht.
Die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick
- Kooperatives Audio-Mystery-Spiel mit Krimi- und Deduktionsfokus
- Geeignet für 1 bis 4 Personen ab 14 Jahren
- Spieldauer von etwa 40 bis 60 Minuten
- Die kostenlose App ist Pflicht und Teil des Spielerlebnisses
- Stark für True-Crime-Fans, kleine Gruppen und Solo-Runden
- Eher Erlebnis als Dauerspiel, weil die Geschichte im Vordergrund steht
Was das Spiel eigentlich ist
Ich ordne das Spiel klar in die Kategorie kooperatives Audio Mystery ein. Ravensburger beschreibt es als Fall mit Linn und Leo aus dem bekannten Podcast, der sich um den Mord an Lord Russell dreht. Das Entscheidende ist aber nicht nur die Lizenz, sondern die Form: Hier wird ein Kriminalfall nicht nur erzählt, sondern gemeinsam rekonstruiert.
Damit ist das Spiel näher an einem interaktiven Ermittlungsabend als an einem klassischen Brettspiel mit Spielfigur, Würfeln oder Gebietskontrolle. Genau das macht es interessant, aber auch speziell. Wer ein reines Strategiespiel erwartet, wird sich fragen, wo die Tiefe bleibt. Wer dagegen Geschichten gern gemeinsam entschlüsselt, bekommt sehr schnell einen guten Zugriff.
Wie diese Mischung in der Praxis funktioniert, sieht man erst beim eigentlichen Ablauf der Runde.

So läuft eine Partie ab und warum die App Pflicht ist
Der Ablauf ist überraschend klar. Die kostenlose App spielt Geräusche und Stimmen ab, die zu den Kartenmotiven passen. Danach ordnet ihr die Hinweise ein, prüft jeweils vier Karten auf ihre Reihenfolge und arbeitet euch Kapitel für Kapitel durch den Fall. Am Ende müssen die 24 Teile der Geschichte in die richtige Reihenfolge gebracht werden.
Im Karton stecken 6 Objekt-Tafeln, 18 Objekt-Karten, ein Ermittlungsbericht und eine Spielanleitung. Ohne App geht es nicht, und das sollte man vor dem Kauf wissen. Für ein möglichst rundes Erlebnis ist ein Gerät mit Kameraerkennung sinnvoll, auch wenn eine manuelle Eingabe möglich ist. Ich würde die erste Partie deshalb nicht nebenbei starten, sondern bewusst ruhig vorbereiten: Akku prüfen, Lautstärke testen, Tisch frei machen.
Gerade diese Verknüpfung aus Hören, Zuordnen und gemeinsamer Auswertung sorgt dafür, dass das Spiel eher wie eine kleine Ermittlung wirkt als wie eine lose Rätselabfolge. Genau dort liegt sein eigentlicher Reiz.
Warum die Mischung aus Podcast und Spiel so gut trägt
Der stärkste Punkt ist für mich die Atmosphäre. Die Stimmen von Linn und Leo geben dem Fall eine vertraute Erzählhaltung, ohne dass das Spiel nur Fan-Service bleibt. Man bekommt nicht einfach eine Geschichte vorgesetzt, sondern arbeitet sich aktiv durch sie hindurch. Das ist wichtig, weil Deduktion nur dann richtig funktioniert, wenn die Gruppe selbst Zusammenhänge herstellt.
Besonders gut klappt das mit Menschen, die gern laut mitdenken, Vermutungen austauschen und sich auch mal widersprechen. Dann entsteht genau dieser Sog, den gute Krimispiele brauchen: Man will wissen, was zuerst passiert ist, welches Detail wichtig ist und wo der Fall bewusst in die Irre führt. Die Geschichte wird dadurch nicht nur konsumiert, sondern wirklich zerlegt.
Ich würde das Spiel deshalb weniger als Wettbewerb und mehr als gemeinsame Rekonstruktion beschreiben. Wer diesen Unterschied versteht, hat schon die halbe Kaufentscheidung getroffen. Die passende Zielgruppe ist der nächste wichtige Punkt.
Für wen sich das Spiel wirklich lohnt
Ich würde das Spiel vor allem Menschen empfehlen, die Krimis lieber entschlüsseln als nur thematisch dekorieren. Die Einordnung unten hilft bei der Entscheidung:
| Spielertyp | Einschätzung | Warum |
|---|---|---|
| True-Crime-Fans | Sehr passend | Die Erzählweise, der reale Fall und die Podcast-Nähe tragen den ganzen Abend. |
| Kleine Gruppen | Sehr passend | Mit 2 bis 4 Personen bleibt die Diskussion lebendig, ohne chaotisch zu werden. |
| Solo-Spielende | Passend | Allein funktioniert es ebenfalls gut, weil die App die Dynamik zuverlässig stützt. |
| Familien mit Teenagern | Passend ab 14 | Die Regeln sind zugänglich, aber das Thema bleibt ernst genug, damit es nicht kindlich wirkt. |
| Strategie-Fans | Eher begrenzt | Wer tiefe Taktik, asymmetrische Rollen oder langes Optimieren erwartet, wird unterfordert. |
| Partygruppen mit viel Unruhe | Eher unpassend | Das Spiel lebt von Zuhören und Konzentration, nicht von Nebengesprächen. |
Die Größenordnung passt gut zu einem Spieleabend, der nicht ausufern soll. Mit 1 bis 4 Personen und einer Spielzeit von etwa 40 bis 60 Minuten ist das Format kompakt genug für einen Abend, aber lang genug, um Spannung aufzubauen. Für mich ist das ein Vorteil, weil der Fall dadurch eine klare Dramaturgie behält. Der Vergleich mit klassischen Krimispielen macht den Unterschied noch deutlicher.
Wie es sich von klassischen Krimispielen unterscheidet
Viele erwarten bei einem Krimispiel automatisch Tabellen, Verdächtige, Beweise und möglichst viele Schlussfolgerungen. Hier ist der Ansatz anders. Die Geschichte wird nicht über Rollen oder Bewegungen auf dem Brett gelöst, sondern über Audiohinweise und eine gemeinsame Reihenfolge der Ereignisse. Das macht das Spiel zugänglicher, aber auch spezieller.
| Kriterium | Audio-Mystery wie dieses | Klassisches Deduktionsspiel | Escape-/Story-Spiel |
|---|---|---|---|
| Regelaufwand | Niedrig bis mittel | Mittel | Niedrig bis mittel |
| Atmosphäre | Sehr hoch durch Ton und Stimmen | Abhängig vom Material | Oft hoch, aber stärker rätselgetrieben |
| Interaktion | Gemeinsames Zuhören und Diskutieren | Häufig direkter Wettbewerb | Meist kooperativ |
| Wiederspielwert | Begrenzt, weil storybasiert | Oft höher | Meist eher einmalig |
| Technikbedarf | App nötig | Meist keiner | Oft keiner, manchmal App |
| Ideal für | Story-Fans und kleine Gruppen | Taktik- und Konfliktfans | Rätsellöser und Eventabende |
Die kurze Einordnung lautet deshalb: Wer ein klassisches Brettspiel mit langer Lebensdauer erwartet, sollte genauer hinschauen. Wer ein intensives, einmaliges Krimi-Erlebnis sucht, bekommt hier deutlich mehr Atmosphäre als bei vielen herkömmlichen Deduktionsspielen. Bevor man kauft, lohnt sich deshalb ein Blick auf typische Stolpersteine.
Typische Stolpersteine bei der ersten Runde
Die häufigsten Probleme entstehen nicht durch das Rätsel selbst, sondern durch die Rahmenbedingungen. Zu viel Hintergrundlärm macht Audio-Hinweise schnell zäh, ein schwacher Akku bremst die Spannung, und ein überladener Tisch stört die Konzentration. Ich würde die erste Partie deshalb bewusst ruhig planen.
- Die App vorher öffnen und einmal testen.
- Ein Gerät mit gutem Lautsprecher nutzen oder Kopfhörer nur dann einsetzen, wenn die Gruppe das wirklich will.
- Die Karten nicht hektisch behandeln, sondern die Reihenfolge sauber dokumentieren.
- Kein klassisches Wettkampfgefühl erzwingen, denn das Spiel will Kooperation.
- Den Fall nicht als Hardcore-Puzzle lesen, sondern als Mischung aus Geschichte und Deduktion.
Auch die Erwartungshaltung entscheidet viel. Wer ein sehr schweres Ermittlerspiel sucht, kann die Aufgabe als zu leicht empfinden. Wer dagegen Freude daran hat, Details zusammenzusetzen und sich von Ton und Story tragen zu lassen, erlebt genau die richtige Art von Spannung. Am Ende bleibt damit vor allem die Frage, welchen Spielabend man eigentlich sucht.
Warum ich dieses Krimispiel 2026 noch guten Gewissens empfehle
Auch 2026 wirkt das Format nicht altmodisch, sondern ziemlich treffsicher. Die Verbindung aus Podcast-Marke, echter Fallbasis und App-Mechanik trifft genau den Geschmack von Spielern, die kompakte, erzählerische Spiele bevorzugen. Der Fall braucht keine große Schachtel und keine lange Regelerklärung, um zu funktionieren.
Ich würde echoes: Mord auf Ex vor allem dann nehmen, wenn der nächste Spieleabend einen klaren Fokus haben soll: gemeinsam hören, kombinieren und am Ende ein in sich geschlossenes Krimi-Erlebnis haben. Wer anschließend mehr in diese Richtung spielen möchte, sollte gezielt nach weiteren Audio-Mystery- oder Story-Deduktionsspielen schauen, denn genau dort entfaltet sich dieses Format am besten. Für einen Abend mit Spannung, ohne Regelballast, ist das eine sehr saubere Wahl.