Der Deutsche Spielepreis ist für viele Brettspielfans der spannendste Gegenpol zu klassischen Jurypreisen: Hier entscheidet nicht ein kleines Gremium, sondern eine breite Spielerschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer die Rangliste richtig liest, erkennt schnell, welche Titel im jeweiligen Jahr wirklich getragen wurden, welche Spiele langfristig relevant bleiben und wie sich der Geschmack der Szene verschiebt.
Die wichtigsten Punkte in Kürze
- Der Deutsche Spielepreis ist ein Community-Award, kein reiner Juryentscheid.
- Für einen Jahrgang zählen Spiele, die zwischen 1. Mai und 30. April auf Deutsch erschienen sind.
- Die Abstimmung läuft von Anfang Mai bis Ende Juli; zuerst wird die Top 10 veröffentlicht, später die Top 3.
- Die aktuell vollständig veröffentlichte Siegerliste endet bei SETI als Gewinner 2025.
- Wer die Liste sinnvoll nutzen will, sollte zwischen Gewinnern, Top 10 und passender Spielrunde unterscheiden.
Was der Deutsche Spielepreis wirklich auszeichnet
Auf der offiziellen Seite der SPIEL Essen wird der Deutsche Spielepreis als Auszeichnung der Spielerschaft beschrieben, und genau das macht ihn so interessant. Ich lese ihn weniger als starre Expertenwertung, sondern als Stimmungsbild der Brettspielszene: Welche Titel wurden wirklich gespielt, empfohlen und über Monate hinweg weitergetragen?
Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Preisen. Ein DSP-Sieger muss nicht nur gut sein, er muss auch eine große Gruppe von Spielerinnen und Spielern überzeugen. Deshalb tauchen hier oft Spiele auf, die nicht nur einen Trend bedienen, sondern auch nach vielen Partien noch Gesprächsstoff liefern.
Für Leserinnen und Leser bedeutet das: Die Liste ist nicht bloß ein dekoratives Ranking. Sie hilft dabei, Spiele einzuordnen, die sich in der Praxis bewährt haben, statt nur auf dem Papier zu glänzen. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Struktur der Abstimmung, bevor man die eigentliche Rangfolge liest.
Warum die Liste eher Top 10 als klassische Nominierungen zeigt
Der Deutsche Spielepreis funktioniert anders als viele andere Brettspielpreise. Es gibt keine klassische Nominierungsjury, die erst eine kleine Shortlist zusammenstellt. Stattdessen gibt es eine öffentliche Abstimmung, an der sich alle Beteiligten in der DACH-Region beteiligen können. Der Merz-Verlag veröffentlicht daraus zunächst die zehn punktstärksten Spiele, später folgt die endgültige Platzierung der Spitze.
Für die Einordnung ist das entscheidend, denn wer nach „Nominierten“ sucht, meint in der Praxis meist genau diese Top 10. Die eigentliche Mechanik ist dabei recht klar:
| Element | Was das bedeutet |
|---|---|
| Wahlberechtigte | Spielerinnen und Spieler sowie weitere Personen aus der Brettspielszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz |
| Jahrgang | Spiele, die zwischen dem 1. Mai und dem 30. April des Folgejahres auf Deutsch erschienen sind |
| Punkte | Platz 1 bis 5 werden mit 5 bis 1 Punkten gewichtet, dazu kommt ein Favorit für das beste Kinderspiel |
| Veröffentlichung | Im August erscheint die Top 10, die Plätze 3 bis 1 werden zur SPIEL in Essen bekanntgegeben |
Das klingt technisch, ist aber inhaltlich sehr hilfreich: Die Liste zeigt keine zufällige Vorauswahl, sondern die Spiele mit der stärksten Unterstützung über viele Stimmen hinweg. Wer also die deutsche Spielepreis-Liste liest, sollte sie eher als Rangordnung mit Community-Gewicht verstehen als als starre Nominierungsmappe. Mit diesem Blick wird die aktuelle Top 10 deutlich aussagekräftiger.
Die aktuelle Top-10-Liste des Jahrgangs 2025
Die zuletzt abgeschlossene Liste stammt aus dem Jahr 2025, und für mich ist sie besonders spannend, weil sie sehr breit aufgestellt ist. Da stehen große Expertentitel, kooperative Spiele, starke Kartenkonzepte und auch sehr zugängliche Titel nebeneinander. Für 2026 läuft die Abstimmung bereits, deshalb ist 2025 die letzte vollständig veröffentlichte Rangfolge, an der man sich sauber orientieren kann.
| Platz | Spiel | Warum es auffällt |
|---|---|---|
| 1 | SETI: Auf der Suche nach außerirdischem Leben | Ein klarer Sieger im Expertenspielbereich, thematisch sehr präsent |
| 2 | Endeavor: Die Tiefsee | Zeigt, dass auch anspruchsvollere Spiele breite Zustimmung bekommen |
| 3 | Bomb Busters | Kooperativer Titel mit großem Publikumsecho |
| 4 | Castle Combo | Kurzer, eleganter Kartentitel mit viel Zugänglichkeit |
| 5 | Faraway | Kompakt, taktisch und sehr gut für wiederholte Partien |
| 6 | Civolution | Ambitionierter Kennerspiel-Eintrag mit starkem Profil |
| 7 | Blood on the Clocktower | Soziales Deduktionsspiel, das im Publikum polarisiert und fasziniert |
| 8 | Slay the Spire: Das Brettspiel | Bekannte Spielvorlage, die auch auf dem Tisch funktioniert |
| 9 | Astrobienen | Ungewöhnliches Thema und gutes Signal für die Offenheit der Szene |
| 10 | Dune: Imperium Uprising | Starker Abschluss der Top 10 mit hoher Markenpräsenz |
Ich lese diese Top 10 nicht als homogene Liste, sondern als Mischbild der aktuellen Brettspielkultur. Der Jahrgang 2025 wirkt auf mich bewusst breit: Nicht nur ein Mechanismus oder eine Zielgruppe dominiert, sondern mehrere starke Spieltypen stehen nebeneinander. Genau das macht die Liste wertvoll, weil sie nicht nur Trends abbildet, sondern auch zeigt, welche Titel in sehr unterschiedlichen Gruppen funktionieren können.
Wer die 2026er Abstimmung verfolgt, kann sich an diesem Muster orientieren: Gute DSP-Platzierungen entstehen selten nur aus Hype, sondern meist aus Spieltiefe, guter Zugänglichkeit und dem Gefühl, dass ein Titel am Tisch wirklich etwas kann. Werfen wir deshalb als Nächstes einen Blick darauf, wie sich die Sieger historisch entwickelt haben.
Die Sieger seit 1990 im kompakten Überblick
Wenn man die Hauptpreisträger seit 1990 nebeneinanderlegt, wird die Entwicklung der Brettspielszene sehr deutlich. In den frühen Jahren prägen eher klassische Familien- und Strategiespiele das Bild, später dominieren moderne Eurogames, dann zunehmend auch kooperative, thematische und mechanisch vielfältige Titel. Für mich ist diese Chronologie fast so nützlich wie die aktuelle Top 10, weil sie zeigt, welche Spiele über ihr Erscheinungsjahr hinaus Wirkung entfaltet haben.
1990er Jahre
| Jahr | Gewinner |
|---|---|
| 1990 | Adel verpflichtet |
| 1991 | Das Labyrinth der Meister |
| 1992 | Der fliegende Holländer |
| 1993 | Modern Art |
| 1994 | 6 nimmt! |
| 1995 | Die Siedler von Catan |
| 1996 | El Grande |
| 1997 | Löwenherz |
| 1998 | Euphrat & Tigris |
| 1999 | Tikal |
2000er Jahre
| Jahr | Gewinner |
|---|---|
| 2000 | Tadsch Mahal |
| 2001 | Carcassonne |
| 2002 | Puerto Rico |
| 2003 | Amun-Re |
| 2004 | Sankt Petersburg |
| 2005 | Louis XIV |
| 2006 | Caylus |
| 2007 | Die Säulen der Erde |
| 2008 | Agricola |
| 2009 | Dominion |
2010er Jahre
| Jahr | Gewinner |
|---|---|
| 2010 | Fresko |
| 2011 | 7 Wonders |
| 2012 | Village |
| 2013 | Terra Mystica |
| 2014 | Russian Railroads |
| 2015 | Auf den Spuren von Marco Polo |
| 2016 | Mombasa |
| 2017 | Terraforming Mars |
| 2018 | Azul |
| 2019 | Flügelschlag |
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2020er Jahre
| Jahr | Gewinner |
|---|---|
| 2020 | Die Crew |
| 2021 | Die verlorenen Ruinen von Arnak |
| 2022 | Arche Nova |
| 2023 | Planet Unknown |
| 2024 | Mischwald |
| 2025 | SETI |
Wer diese Jahrzehnte nebeneinanderlegt, sieht zwei Dinge sehr klar: Erstens haben einzelne Autoren und Verlage die Szene über lange Strecken geprägt. Zweitens ist der Preis heute deutlich breiter aufgestellt als in den frühen Jahren. Gerade diese Mischung aus Kontinuität und Wandel macht die Liste für Brettspiel-Fans so lesenswert, weil sie nicht nur Gewinner sammelt, sondern Entwicklung sichtbar macht.
Für die eigene Orientierung ist das hilfreich, denn nicht jeder Sieger passt zu jeder Spielrunde. Genau deshalb lohnt sich im nächsten Schritt der Blick darauf, welche Titel aus der Liste ich je nach Tisch und Erwartung wirklich empfehlen würde.
Welche Titel aus der Liste ich für verschiedene Spielrunden empfehlen würde
Ich würde eine DSP-Liste nie als reine Einkaufsliste lesen. Der häufigste Fehler ist, nur auf den ersten Platz zu schauen und daraus eine pauschale Empfehlung für alle abzuleiten. Bei Brettspielen zählen aber immer auch Spielzeit, Lernkurve, Interaktion und die Leute am Tisch. Ein Sieger kann brillant sein und trotzdem für deine Runde unpassend.| Spielrunde | Gute Titel aus der Liste | Warum sie passen |
|---|---|---|
| Familie und Gelegenheitsspieler | Carcassonne, Azul, Mischwald | Leicht zugänglich, schnell erklärt, trotzdem mit genug Tiefe für mehrere Partien |
| Kurz und clever | 6 nimmt!, Dominion, Die Crew | Ideal, wenn nicht viel Zeit da ist und trotzdem Spannung am Tisch entstehen soll |
| Strategische Abendrunde | Puerto Rico, Terra Mystica, Russian Railroads | Mehr Entscheidungsdruck, mehr Planung, mehr Spielraum für langfristige Entwicklung |
| Anspruchsvolle Vielspieler | SETI, Terraforming Mars, Arche Nova | Große Systeme, starke Wiederspielbarkeit und deutlich mehr Tiefe als in Familientiteln |
| Gruppen mit Spaß an Diskussion und Deduktion | Blood on the Clocktower, The Crew | Starker Gesprächsanteil, soziale Dynamik und sehr unterschiedliche Spielmomente |
Mein pragmatischer Filter ist einfach: Zuerst schaue ich auf die Gruppe, dann auf die Spieldauer, dann auf die Komplexität. Erst danach kommt die Frage, ob ein Titel Preisgeschichte geschrieben hat. So vermeidest du Fehlkäufe und landest schneller bei Spielen, die am eigenen Tisch wirklich funktionieren. Und genau diese Perspektive ist auch für den Jahrgang 2026 nützlich, denn dort entscheidet wieder nicht nur Qualität, sondern vor allem, welche Spiele sich in vielen Runden behaupten.
Was für die Liste 2026 jetzt schon wichtig ist
Für den Jahrgang 2026 läuft die Abstimmung bereits, und genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die bisherigen Sieger. Wer die Liste künftig verfolgen will, sollte weniger auf einzelne Hypes achten und mehr auf Spiele, die in breiten Gruppen funktionieren. Genau solche Titel sammeln über Monate hinweg Punkte.
Für mich ist der größte Mehrwert des Deutschen Spielepreises deshalb nicht die reine Rangfolge, sondern die Orientierung, die daraus entsteht. Die Liste zeigt, welche Brettspiele im jeweiligen Jahr eine echte Community hinter sich versammelt haben, und sie hilft dabei, gute Titel von wirklich praxistauglichen Titeln zu unterscheiden. Wer das im Hinterkopf behält, liest die nächste Siegerliste deutlich bewusster und trifft beim eigenen Spielekauf bessere Entscheidungen.